12. Bad Liebensteiner Selbsthilfetage

Am 26.09.15 fand der 12. Bad Liebensteiner Selbsthilfetag in der m & i Fachklinik statt. Erstmalig wurde dieser gemeinsam mit dem Deutschen Rehatag veranstaltet. Die Selbsthilfegruppen erhielten dadurch eine größere Plattform, um Ihre Arbeit vorzustellen.
Auch wir, die Deutsche Sepsis-Hilfe, wurden dieses Jahr wieder vom Veranstalter eingeladen. Für mich war es eine "Premiere", da ich bisher noch nie einen Stand auf solch einer Veranstaltung betreut habe. Neben unseren Stand waren auch Vertreter von z.B. der Deutschen Herzstiftung, die Selbsthilfegruppen für Parkinson, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Schmerzpatienten und viele mehr vertreten.

Schon kurz nach dem Aufbau kamen die ersten Interessierten.Dies waren vorrangig Patienten der Fachklinik. Schnell stellte sich für mich heraus, dass nur ein ganz geringer Teil der Patienten, mit denen ich ins Gespräch kam, etwas von Sepsis wusste. Meist hörte ich sofort die Frage: "Sepsis - was ist das? Das kenn ich nicht." Blutvergiftung - ja, davon hatten sie schon gehört, wussten allerdings auch nicht was dies ist. Deutlich betroffen waren alle von der Aussagen, dass es jeden treffen kann und das die Sterblichkeit sehr hoch ist.
Diese "Unwissenheit" zeigt sich auch in der Aussage einer Besucherin, welche bis vor kurzem in einer Arztpraxis gearbeitet hat: "Sepsis, das gibt es bei uns nicht".Was Sepsis ist, das wusste die Dame allerdings auch nicht. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass in der Praxis wohl auch Patienten mit Asplenie, also dem Fehlen bzw. der Funktionsuntüchtigkeit der Milz, behandelt werden. Das empfohlene Impfschema für diese Patienten, zur Vermeidung von schweren Infektionen, war ihr allerdings nicht bekannt. Die Besucherin hat schließlich Informationsmaterial zu Impfungen und zum Aspleniepass für ihre ehemalige Arbeitsstelle mitgenommen.

All die Gespräche während der Veranstaltung haben mir deutlich gezeigt, dass die Aufklärung in der Bevölkerung noch sehr gering ist. Ich arbeite seit Jahren unter Menschen, die sich mit Sepsis und Sepsisforschung beschäftigen. Dies vermittelt einem schnell den Eindruck, dass sich viele Menschen damit auskennen. Aber dem ist nicht so. Auch wenn ich häufig von Bekannten daraufhin angesprochen werde, dass das Thema "Sepsis" jetzt ganz "aktuell" ist, da öfters darüber in den Medien berichtet wird, ist doch die breite Bevölkerung noch nicht annährend ausreichend sensibilisiert.
Dies bedeutet für uns als Sepsis-Hilfe, dass wir jede uns bietende Veranstaltung nutzen müssen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn auch gerade die Gespräche mit Betroffenen führen dazu, dass die Krankheit "greifbar" wird. Interviews mit Experten klären auf und sind sehr wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit, aber Informationen von Betroffenen oder Angehörigen machen die Krankheit erst real.