Bericht zum 2. Regionaltreffen Mitte

 

Am 29. September 2018 fand in Leipzig unser zweites Regionaltreffen statt. Wir haben es als offenes Treffen durchgeführt, so dass auch Mitglieder aus anderen Regionen und Nichtmitglieder daran teilgenommen haben. Bei einem zwischenzeitlichen Anmeldungsstand von knapp 50 Teilnehmern gab es dann leider doch noch eine ganze Reihe von kurzfristigen Absagen. Am Ende waren es dann immerhin noch 28 Teilnehmer.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde gab es dann drei interessante Vorträge.

  • Als erstes berichtete uns Frau Dr. Seidel über die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema „Hirnschädigungen nach einer Sepsis“. Sehr eindrucksvoll konnte sie uns anhand von MRT-Auswertungen die Existenz von organischen Hirnschädigungen nach einer überlebten Sepsis nachweisen. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass es bei einem sehr grossen Anteil von Betroffenen zu kognitiven Störungen als Langzeitfolge nach einer überlebten Sepsis kommt. Hauptprobleme dabei sind Belastbarkeitsminderung, Konzentrationsmängel und Gedächtnisschwäche. Es wurde aber auch der Nachweis erbracht, dass man durch kognitives Training Verbesserungen erreichen kann.

    Um ihre Untersuchungen weiterführen zu können, warb Frau Dr. Seidel um Probanden zur Teilnahme an diesem Programm. Interessenten werden gebeten sich an mich zu wenden, ich stelle dann die entsprechenden Kontakte her.

  • Im zweiten Vortrag berichtete Frau Dr. Müller von den neuesten Forschungsergebnissen bei dem Thema „Langfristige kognitive Beeinträchtigung nach intensivmedizinischer Therapie“. Für mich besonders interessant war an dieser Stelle, dass es für die Hirnschädigung nach einer Sepsis bereits eine eigene Bezeichnung gibt. Sie wird Sepsis-assoziierte Enzephalopathie genannt. Zum anderen war für mich interessant, dass bis zu 9 von 10 Überlebenden bei Entlassung kognitive Defizite aufweisen. (Wilcox et al 2013)  Als wesentliche Ursache konnte das Delir identifiziert werden. Interessant dabei ist, dass alle Altersgruppen gleich stark betroffen sind. Es ist also nicht altersbedingt.

    Eine weitere Erkenntnis war, dass Untersuchungen ergeben haben: Überlebende einer kritischen Erkrankung haben im Langzeitverlauf eine geringere Lebensqualität als die Kontrollprobanden (Oeyen et al 2010)

  • Im dritten Vortrag habe ich über meine Erfahrungen im Umgang mit kognitiven Störungen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke berichtet. Ausserdem konnte ich den neuesten Stand unserer Fragebogenaktion präsentieren. Immerhin haben sich bisher 53 Betroffene daran beteiligt. Interessant dabei war, dass sich die Ergebnisse dieser Aktion voll mit den Erkenntnissen der Vorrednerinnen deckten.

Die Präsentationsfolien der Vorträge stehen im Internen Mitgliederbereich dieser Internetseite der zum Download bereit. Allerdings sind diese nicht immer selbst erklärend. Deshalb ist es zum besseren Verständnis immer besser, wenn man sich diese Vorträge direkt anhört. Vielleicht animiert das ja den einen oder anderen an unseren nächsten Veranstaltungen teilzunehmen.

In der anschließenden Diskussionsrunde konnten dann noch eine ganze Reihe individueller Fragen beantwortet werden. Auf eine Frage zu auftretenden Gleichgewichtsstörungen zum Beispiel berichtete Frau Dr. Müller über neueste Untersuchungen, bei denen wohl auch Schädigungen im Kleinhirn nachgewiesen wurden. Diese Schädigungen können diese Gleichgewichtsprobleme verursachen.

So konnten noch eine ganze Reihe von Fragen angesprochen und beantwortet werden.

Es war also insgesamt eine Veranstaltung auf sehr hohem Niveau, wo uns viel Wissen vermittelt wurde. In den Pausen war ausserdem genügend Zeit, um sich untereinander auszutauschen oder spezielle Fragen an die Referenten los zu werden.

Als Ergebnis beschlossen wir wieder, uns noch mehr für die Verbreitung der Kenntnisse über die Sepsis einzusetzen. Dazu nahm z.B. jeder Teilnehmer  Informationshefte mit, welche die Sepsis-Hilfe bereitgestellt hatte, um sie dann bei seinem Hausarzt oder anderen behandelnden Ärzten und Therapeuten zu platzieren.

Im Ergebnis der Veranstaltung konnten wir auch einige neue Mitglieder für die DSH gewinnen.

Alle Teilnehmer haben abschließend zum Ausdruck gebracht, dass es eine sehr gelungene und interessante Veranstaltung war und sie den weiteren Austausch gern fortführen möchten. An dieser Stelle konnte ich auch schon Themenvorschläge für das nächste Treffen präsentieren:

  • Frau Dr. Thöne-Otto (Uni-Klinik Leipzig) - Behandlung von kognitiven Störungen

  • Frau Dr. Reinhardt-Gilmour (Rechtsanwältin) – Medizinrecht aus Patientensicht

  • Herr Dr. Sauter (Chefarzt Klinik Bavaria Kreischa) – Muskel- und Nervenschwäche.

Einen Termin für das nächste Treffen konnten wir noch nicht festmachen, ich werde aber rechtzeitig darüber informieren. Ich denke es war eine Veranstaltung, aus der jeder für sich wieder etwas mitnehmen konnte. Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an alle Teilnehmer für die aktive Mitwirkung bei diesem Treffen. Es war für mich absolut faszinierend, wie viel positive Energie von dieser Gruppe ausging. Ich selbst habe viel dazu gelernt.

Vielen Dank dafür.

Frank Köhler