Überlebt - zurück ein neues Leben

Dietmar Hunger (57 Jahre*) aus Marienberg

Überlebt – Zurück in verändertes Leben

Der 28. November 2008, ein ganz normales Datum? Eigentlich ja, aber dennoch sollte es für mich ein Datum werden, an dem ich noch sehr oft erinnert werde. An diesen Tag kann ich mich nicht mehr selbst erinnern und deshalb steht für mich die Frage immer noch im Raum: „War der 28.11.2008 wirklich ein so bedeutungsvoller und wichtiger Tag?“ Über 3 Jahre sind seitdem vergangen und die Frage wird unbeantwortet bleiben, an welchen Tag mir durch das Annaberger Ärzteteam das Leben gerettet wurde. Details sind vielleicht nur für mich wichtig, sie zu erfahren.

Was war geschehen im Spätherbst 2008? Selbst kann ich die Ereignisse nicht nachvollziehen und deshalb ist die Schilderung der Ärzte, bei denen ich noch Untersuchungstermine wahrgenommen hatte sowie meiner Ehefrau, die wahrnahm, wie sich mein Gesundheitszustand verschlechterte. Alle Personen gingen damals von einer schweren Erkältung aus… Im Klinikum sollte man dann eine schwere Sepsis mit Multiorganversagen feststellen. Über 80 Tage, davon ca. 30 Tage im Koma verbrachte ich auf der internistischen Intensivstation und im Februar des Folgejahres wurde ich dann zur Anschlussheilbehandlung nach Kreischa bei Dresden in die Bavaria-Klinik verlegt.

Nach drei Jahren

Inzwischen sind über drei Jahre vergangen und noch immer habe ich mit dem Folgen der schweren Erkrankung zu leben. Ohne ärztliche und therapeutische Unterstützung geht es überhaupt nicht. Aus allen bisherigen eigenen Erfahrungen, die ich in Verbindung mit den Folgeerkrankungen machen musste, gehe ich davon aus, dass ich bis zum Lebensende mit den „Folgen“ der Krankheit eine faire Partnerschaft eingehen muss! Seit der Anschlussheilbehandlung habe ich noch viele geplant & ungeplante ambulante & stationäre Untersuchungen, sowie physiotherapeutische Behandlungen in Anspruch nehmen müssen. Es wird sicherlich keine vollständige Heilung geben. So sehe ich kleine, aber für wichtige Fortschritte in der Beweglichkeit und der Freude daran unternehmungsfreudiger geworden zu sein, in dem ich meine Ehefrau etwas entlasten kann, in dem ich des Mannes liebstes „Spielzeug“ (das Auto) nutzen kann. Kürzere Spaziergänge, die ich hoffentlich von Monat zu Monat erweitern kann, sowie Gartenarbeit und die Freude am Computer zu arbeiten verbessert meine Lebensqualität.

So geht es mir heute…

Ohne die Hilfe meine Ehefrau wäre ich nicht dort angekommen, wo ich mich in diesen Tagen befinde - ich bin auf den Weg zurück in eine Art neues Leben. Daran konnten vier operative Eingriffe nach intensiven Prostatablutungen, sowie ein erneuter Herzinfarkt nichts ändern. In meiner umfangreichen gesundheitlichen Betreuung nimmt die physiotherapeutische Betreuung einen wichtigen Platz ein. Die Therapeutin gehört mittlerweile zur Familie, denn sie hat mich im Mai 2009 in einem „schlechten körperlichen und labilen Zustand übernommen“. Sie hat die gesamte Breite an „Rückschlägen“ miterlebt und es hervorragend verstanden, die richtige Behandlung motivierend anzuwenden. Die vor allem körperlichen Rückschläge, die andauernde Schwächung des Bewegungsapparates einschließlich der Muskeln verlangen noch eine längere, wenn nicht ständige Physiotherapie.

Fakt ist, dass meine Ehefrau noch während meines Aufenthaltes im Erzgebirgsklinikum Kontakt zu Herrn Hubert Grönert von der Deutschen Sepsis-Hilfe e. V. herstellen konnte. Heute sind wir beide Mitglied im Verein, was uns einen neuen Blick auf eine Krankheit eröffnet hat: Von dessen dunklen Seiten, deren Folgen und auch Hoffnungen, die daraus entstehen können, wenn man mit dieser ernsthaften Erkrankung zum richtigen Zeitpunkt in die richtigen „Hände“ verbracht wird. Ich hatte das Glück – mich berühren auch die anderen Schicksale von Betroffenen – deshalb will ich soweit ich kann in der Deutsche Sepsis-Hilfe e. V. mitarbeiten, was mir selbst Kraft für die längere werdenden Wanderung über bunte Wiesen und grüne Wälder gibt…

Dietmar Hunger, im Februar 2012

 

* zum Zeitpunkt der Erkrankung

H. Hunger 2012